Erholung in "Königs" Hotel
"Das Hotel gehört mir, lieber Herr Müller, Sie werden sich wundern, wie erholsam es dort in Oberbayern ist. Kein Lärm, keine stickige Büroluft, nichts, rein garnichts wird Sie stören. Sie können sich einmal richtig entspannen."
Diese Worte des Nachbarn schwirrten dem Prokuristen Müller jetzt, nach dem Urlaub, im Kopf umher. ,,Ha - ha, schöner Urlaub", lachte er vor sich hin und wollte gerade mit seinen Gedanken zurück nach Oberbayern, als die Tür aufflog und Herr König, der Nachbar, in den Raum trat.
,,Guten Morgen, lieber Herr Müller, Sie sehen gut aus, so richtig erholt. Es hat Ihnen sicher gut gefallen in meinem Hotel", sprudelte er heraus.
Müller nickte: ,,Ja, es war wunderbar."
,,Wie war denn das Personal, die Bardamen, die Ober, die Zimmermädchen?" fragte König neugierig weiter.
Müller lachte: ,,Bestens, Herr König, bestens!"
,,Und das Essen war sicher auch sehr gut, wie?"
,,Hervorragend", versicherte Müller.
Die Wirklichkeit sah ganz anders aus, doch was bestätigt man nicht alles seinem Nachbarn, um weiterhin gut mit ihm auszukommen.
Immer stürmischer sprudelte es aus Herrn König heraus.
,,Wie hat Ihnen die Einrichtung gefallen, was halten Sie von den Gartenanlagen?"
Müller empfand diese Fragerei und Protzerei langsam als lästig. Es wurde ihm zuwider wie dieser Mensch vor ihm stand, die Zigarre von einem in den anderen Mundwinkel schob und mit immer dicker werdender Brust sein Hotel pries und preisen ließ.
,,Das treibe ich dir aus", dachte Müller und lauerte nur auf die richtige Gelegenheit. Sie kam sehr bald. ,,Aber das Beste in meinem Hotel ist doch mein Geschäftsführer. Er versteht sein Fach, finde ich; und wie fanden Sie ihn, mein lieber Müller?"
,,Rein zufällig, Herr König, rein zufällig, er lag total betrunken neben der Garderobe", meinte Müller und hatte im nächsten Augenblick seine Ruhe.
Herr König war gegangen.
© Horst Rehmann